Es gibt Dinge im deutschen Fernsehen, die nimmt man einfach hin. Die Tagesschau kommt um 20 Uhr, das Wort zum Sonntag ist besinnlich, und Kai Pflaume ist der ewige Schwiegersohn der Nation, der stets gut gelaunt durch die ARD-Vorabendshow „Wer weiß denn sowas?“ führt. Doch einer schaut genauer hin. Einer, dem kein Detail entgeht und der das, was er sieht, nicht länger für sich behalten kann: Bastian Pastewka. Der beliebte Comedian und Schauspieler war zu Gast in der SWR-Kultsendung „Kurzstrecke mit Pierre M. Krause“ und nutzte die Gelegenheit für eine so charmante wie vernichtende Manöverkritik an seinem Kollegen.

Ein Treffen unter Profis mit viel Läster-Potenzial
Wenn Bastian Pastewka und Pierre M. Krause aufeinandertreffen, ist ein Feuerwerk an Wortwitz und pointierten Beobachtungen vorprogrammiert. In der jüngsten Ausgabe des unkonventionellen Talk-Formats, bei dem Krause seine Gäste oft auf kurzen Wegen oder bei skurrilen Aktivitäten begleitet, ging es diesmal ans Eingemachte. Zunächst schmeichelte Krause seinem Gast noch: „Du siehst sehr, sehr gut aus.“ Pastewka, gewohnt schlagfertig und selbstironisch, nahm das Kompliment dankend an, nur um sofort eine Anekdote nachzuschieben, die den Stein ins Rollen brachte. „Ich bin hier schon für Kai Pflaume gehalten worden“, witzelte er. Doch anstatt sich über den Vergleich mit dem stets adretten Showmaster zu freuen, holte Pastewka zum humorvollen Rundumschlag aus.
Das „Trauma“ der Masterfrage
„Ich habe ein wahnsinniges Problem mit Kai Pflaume“, gestand Pastewka mit ernster Miene, die jedoch sofort von einem schelmischen Grinsen gebrochen wurde. Als bekennender und treuer Zuschauer des Quiz-Dauerbrenners „Wer weiß denn sowas?“ habe er eine spezifische Eigenart des Moderators identifiziert, die ihn regelrecht in den Wahnsinn treibe. Es geht um das große Finale der Sendung, die sogenannte Masterfrage.
Jeder Fan der Show kennt den Moment: Die Frage wird gestellt, die Kandidaten grübeln, und im Studio wird eine spannungsgeladene Musik eingespielt. Genau diese 20 Sekunden sind es, die Pastewka Sorgen bereiten – und zwar nicht wegen der kniffligen Fragen, sondern wegen Pflaumes Verhalten. „Kai weiß trotzdem nicht, was er währenddessen machen soll“, analysierte der Comedian präzise.
Was Pastewka dann beschrieb, ist Kopfkino vom Feinsten: Pflaume würde sich in dieser kurzen Pause, in der er nichts zu moderieren hat, „so lustig verbiegen“. Er versuche krampfhaft, die Zeit zu überbrücken, indem er mitklatscht. Doch genau hier liegt laut Pastewka der Hund begraben. Das Taktgefühl des Moderators sei, gelinde gesagt, eigenwillig.
Klatschen auf „Fünfeinhalb und Acht“
Pierre M. Krause, selbst ein erfahrener Moderator, warf ein, dass Pflaume sich doch einfach dem Klatschen des Studiopublikums anschließen könne. Doch Pastewka winkte ab. Das sei ja das Problem! „Der Kai klatscht weder auf eins und drei noch auf zwei und vier, sondern auf fünfeinhalb und acht“, erklärte er unter dem Gelächter seines Gastgebers.
Mit dieser herrlichen Übertreibung traf Pastewka einen Nerv. Er zeichnete das Bild eines Moderators, der zwar perfekt funktioniert, solange er spricht, aber völlig aus dem Konzept gerät, sobald die Musik übernimmt. Die Vorstellung, wie Kai Pflaume asynchron und körperlich gewunden versucht, den Beat zu finden, ist ein Bild, das viele Zuschauer beim nächsten Einschalten von „Wer weiß denn sowas?“ sicher nicht mehr aus dem Kopf bekommen werden.

Auch Louis Klamroth bekommt sein Fett weg
Doch Kai Pflaume war an diesem Tag nicht das einzige „Opfer“ der beiden TV-Lästerzungen. Pierre M. Krause fühlte sich durch Pastewkas Beobachtung inspiriert, ebenfalls eine Beobachtung aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu teilen. Sein Ziel: Louis Klamroth, der Nachfolger von Frank Plasberg bei „Hart aber fair“.
Krause demonstrierte anschaulich, was ihn bei Klamroth irritiert. Immer wenn dieser im Polit-Talk gerade nichts zu sagen habe oder zuhöre, beginne er, seine Hände aneinander zu reiben. „Der cremt sich immer eine halbe Stunde die Hände ein“, frotzelte Krause und imitierte die Geste mit einer Hingabe, die vermuten lässt, dass auch er schon viele Stunden vor dem Fernseher verbracht hat, um genau diese Marotten zu studieren. „Während er redet, macht er die ganze Zeit so“, beschwerte sich Krause und rieb sich imaginäre Lotion in die Handflächen.
Die große Frage: Wohin mit sich selbst im TV?
Was auf den ersten Blick wie bloßes Lästern wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen eine fast philosophische Fragestellung des Showgeschäfts. Bastian Pastewka brachte es schließlich auf den Punkt: „Wie steht man im Fernsehen, ohne dass es doof aussieht?“
Es ist das Ur-Problem eines jeden, der vor einer Kamera steht. Solange man spricht, moderiert oder interviewt, hat der Körper eine Funktion. Doch sobald eine Pause entsteht – sei es durch Musik, Einspieler oder das Nachdenken eines Gastes – wird die eigene Physis zum Fremdkörper. Wohin mit den Händen? Wie hält man den Kopf? Wippt man mit?
Pierre M. Krause, der in der aktuellen Staffel von „Kurzstrecke“ übrigens selbst mit einer körperlichen Einschränkung zu kämpfen hat und auf Krücken unterwegs ist, musste bei dieser existenziellen Frage kapitulieren. „Das ist eine Frage, die ich dir zurzeit wirklich nicht beantworten kann“, gab er lachend zu. Vielleicht ist es gerade diese Ehrlichkeit und der Blick hinter die glatten Fassaden der Fernsehwelt, die das Gespräch zwischen den beiden so unterhaltsam macht.
Ein liebevolles Augenzwinkern
Natürlich ist all das Kritik auf höchstem, humoristischem Niveau. Weder Pastewka noch Krause wollen ihren Kollegen wirklich Böses. Im Gegenteil: Solche Beobachtungen entstehen nur, wenn man die Sendungen der anderen auch wirklich schaut und wertschätzt. Es ist ein liebevolles Frotzeln unter Kollegen, das zeigt, dass auch die perfekten Medienprofis am Ende nur Menschen sind, die manchmal nicht wissen, wohin mit ihren Händen oder ihrem Rhythmusgefühl.
Für die Zuschauer ist diese Episode von „Kurzstrecke“ ein absoluter Gewinn. Sie bietet nicht nur beste Unterhaltung, sondern verändert auch den Blick auf die gewohnte TV-Landschaft. Wenn Kai Pflaume das nächste Mal zur Masterfrage überleitet, werden Millionen Menschen nicht auf die Antwort warten, sondern auf seine Hände schauen. Und sich fragen: Ist das jetzt die Eins, die Drei – oder doch wieder die Fünfeinhalb? Danke, Bastian Pastewka, für diesen wunderbaren Ohrwurm für die Augen!