Es sind Nachrichten, die wie ein kalter Windstoß durch die Welt der Kultur, der Literatur und der Musik fegen und Millionen von Menschen tief berühren. Helme Heine, der visionäre Schöpfer unvergesslicher Kinderbuchhelden und der grafische Vater des kleinen grünen Drachens Tabaluga, ist tot. Der weltweit gefeierte Künstler verstarb im Alter von 84 Jahren in seiner Wahlheimat Neuseeland. Die Nachricht von seinem Tod löste eine Welle der Bestürzung aus, doch kaum jemand traf der Verlust so hart und unmittelbar wie seinen langjährigen Weggefährten und engen Freund Peter Maffay.

Ein Abschied, der ins Mark trifft
Am Freitag wurde die traurige Gewissheit öffentlich: Helme Heine hat seine Augen für immer geschlossen. Für Peter Maffay, der über vier Jahrzehnte Seite an Seite mit Heine arbeitete, brach eine Welt zusammen. In einem zutiefst emotionalen Instagram-Post, der die Herzen seiner Fans sofort ergriff, teilte der Rockmusiker seinen Schmerz mit der Öffentlichkeit.
„Vier Jahrzehnte Freundschaft, und dann der Riss, plötzlich und unerwartet“, schrieb Maffay. Seine Worte wirken nicht wie eine formelle Pressemitteilung, sondern wie der ungeschönte Ausdruck einer verwundeten Seele. „Man fällt in die Stille. Erst wenn jemand geht, wird einem wirklich bewusst, welche Bedeutung dieser Mensch für einen hat und haben wird.“ Es ist diese Stille, die nun dröhnend laut im Raum steht – die Lücke, die ein kreativer Genius und loyaler Freund hinterlässt.
Maffay postete dazu ein schlichtes, aber kraftvolles Bild: Die Zeichnung des kleinen Tabaluga neben einem Schwarz-Weiß-Porträt von Helme Heine. Ein Bild, das mehr sagt als tausend Worte. Es symbolisiert das gemeinsame Erbe, das die beiden Männer verband und das weit über den Tod hinaus Bestand haben wird. „Gute Reise, mein Freund, Dein Peter“, beendete Maffay seinen Nachruf – ein letzter Gruß an einen Menschen, der mehr war als nur ein Geschäftspartner.
Der Vater von Mullewapp und Tabaluga
Wer an Helme Heine denkt, hat sofort Bilder im Kopf. Bilder von Freundschaft, von Abenteuern und von einer Welt, die in ihrer Einfachheit so viel Weisheit birgt. Heine war nicht nur ein Illustrator; er war ein Philosoph für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Mit seinen Geschichten aus „Mullewapp“ schenkte er Generationen von Kindern die wohl berühmtesten drei Freunde der Bilderbuchwelt: Franz von Hahn, Johnny Mauser und den dicken Waldemar. Diese drei ungleichen Gefährten lehrten uns, dass wahre Freundschaft keine Grenzen kennt, dass man gemeinsam jedes Hindernis überwinden kann und dass es völlig egal ist, ob man ein Hahn, eine Maus oder ein Schwein ist – solange man zusammenhält. Sein Buch „Freunde“ aus dem Jahr 1982 gilt längst als moderner Klassiker, der in keinem Kinderzimmer fehlen darf.
Doch sein vielleicht größtes popkulturelles Vermächtnis schuf er gemeinsam mit Peter Maffay, Gregor Rottschalk und Rolf Zuckowski: Tabaluga. Als Heine dem kleinen Drachen seine unverwechselbare Gestalt gab, ahnte wohl niemand, welch einen Siegeszug diese Figur antreten würde. Tabaluga wurde mehr als nur eine Märchenfigur; er wurde zum Symbol für Werte wie Vernunft, Liebe, Freundschaft und den Mut, erwachsen zu werden, ohne das Kind in sich zu verlieren.
„Ich verdanke Helme – wir alle – den wunderbaren kleinen Tabaluga. Dessen Werte haben wir versucht, gemeinsam zu leben“, betonte Maffay in seinem Statement. Es war diese gemeinsame Vision, die die beiden Männer über die Jahre zusammenschweißte. Sie schufen nicht nur Unterhaltung, sondern Orientierung für Millionen von kleinen und großen Menschen.
Ein Leben voller Kunst und Philosophie
Helme Heine war ein Weltbürger im wahrsten Sinne des Wortes. Geboren 1941 in Berlin, zog es ihn schon früh in die Ferne. Er lebte in Südafrika, gründete dort ein politisches Kabarett und stellte sich mutig gegen die Apartheid, bevor er schließlich in Neuseeland seinen „Seelenort“ fand. In Russell, weit weg vom Trubel Europas, lebte und arbeitete er seit 1990. Dort, am anderen Ende der Welt, fand er die Ruhe und Inspiration für seine Werke.
Heine war bekannt für seine Vielseitigkeit. Er malte, zeichnete, schrieb, bildhauerte und entwarf Möbel. Doch bei aller Produktivität blieb er stets bescheiden. In Interviews zeigte er sich oft als tiefsinniger Denker, der dem Tod mit einer bemerkenswerten Gelassenheit begegnete. „Ich weiß, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dafür bin ich dankbar, denn sie lässt mich bewusster leben“, sagte er einst. Für Heine war der Tod kein Ende, sondern Teil eines ewigen Kreislaufs. „Ich weiß, dass alles Leben aus dem Sternenstaub entstand. Der Tod wird diesen Prozess nicht beenden.“
Diese fast schon stoische Akzeptanz des Unausweichlichen spiegelt sich auch in der Art und Weise wider, wie er sein Leben führte – voller Dankbarkeit, Kreativität und einer unerschütterlichen positiven Haltung.

Die Branche verneigt sich
Nicht nur Peter Maffay, auch die Verlagswelt trauert um einen ihrer Größten. Petra Albers, die Verlagsleiterin von Beltz & Gelberg, würdigte Heine als außergewöhnliche Persönlichkeit. Sie beschrieb ihn als einen Menschen, dessen offene und philosophische Sichtweise jeden beeindruckte, der ihm begegnete. Jedes Treffen mit ihm sei von einer besonderen Herzlichkeit und Inspiration geprägt gewesen.
Auch Rolf Zuckowski, der dritte im Bunde der Tabaluga-Väter, meldete sich zu Wort. Unter Maffays Beitrag kommentierte er bewegt: „So ein großartiger Weggefährte. Es bleibt viel von ihm in unserer Erinnerung, mit Dankbarkeit.“ Es zeigt, dass Helme Heine nicht nur durch sein Werk, sondern vor allem durch sein Wesen Spuren in den Herzen der Menschen hinterlassen hat, die ihn kannten.
Sein Tod reiht sich schmerzhaft ein in eine Serie von Verlusten bedeutender Persönlichkeiten, die die Kulturlandschaft geprägt haben. Doch Heines Werk ist von einer Zeitlosigkeit, die den Schmerz des Verlustes zumindest ein wenig lindern kann.
Was bleibt: Ein unsterbliches Erbe
Helme Heine mag gegangen sein, doch er ist nicht verschwunden. Jedes Mal, wenn ein Vater seinem Kind abends aus „Freunde“ vorliest, jedes Mal, wenn das Lied „Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben“ erklingt und man an den kleinen grünen Drachen denkt, ist Helme Heine präsent. Er hat sich durch seine Kunst unsterblich gemacht.
Seine Bücher wurden in über 35 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Sie sind globale Botschafter für Menschlichkeit und Miteinander. Die Figuren, die er schuf, sind keine simplen Zeichnungen; sie sind Charakterstudien, liebevoll, humorvoll und immer mit einem Augenzwinkern versehen. Er nahm Kinder ernst, ohne sie zu belehren, und er brachte Erwachsene zum Schmunzeln, indem er ihnen den Spiegel vorhielt.
Peter Maffays Abschiedsgruß „Gute Reise, mein Freund“ ist vielleicht der passendste Wunsch für einen Mann, der sein Leben lang in Bewegung war – geistig wie körperlich. Helme Heine hat seine letzte große Reise angetreten, doch den Kompass, den er uns in Form seiner Geschichten hinterlassen hat, werden wir noch lange nutzen. Die Welt ist ein wenig grauer geworden ohne ihn, aber seine Farben werden auf Papier und Leinwand für immer weiterleuchten.
In Gedanken sind wir bei seiner Familie, seinen Freunden und allen, die mit seinen Geschichten aufgewachsen sind. Danke, Helme Heine, für die Träume, den Mut und die Freunde, die du uns geschenkt hast.