Es ist ein Donnerschlag in der heilen Welt des Schlagers, der die Fans bis ins Mark erschüttert. Howard Carpendale, der Grandseigneur der deutschen Unterhaltungsmusik, der Mann, der mit Hits wie „Ti Amo“ und „Hello Again“ Millionen Herzen wärmte, zeigt sich plötzlich von einer Seite, die niemand kannte. Kurz vor seinem 80. Geburtstag und pünktlich zur Veröffentlichung seiner neuen Autobiografie „Unerwartet“ am 27. November 2025, lässt der Sänger die Fassade des strahlenden Entertainers fallen. Er offenbart Abgründe, die so tief und schmerzhaft sind, dass man beim Lesen den Atem anhält. Es geht um Verrat, um die Dämonen der Sucht und um ein traumatisches Erlebnis, das seine Kindheit für immer zeichnete.

Der Verrat in Monaco: Wenn das Paradies zur Hölle wird
Wir schreiben das Jahr 1994. Howard Carpendale steht auf dem Zenit seines Erfolges. In der glamourösen Kulisse von Monaco dreht er für die RTL-Serie „Matchball“. Sonne, Meer, Luxus – und eine verhängnisvolle Begegnung. In seiner Biografie gesteht Carpendale erstmals offen, dass er damals, fernab der Heimat, eine Affäre begann. „Monaco, Sonne, Glamour und ein klopfendes Herz. Jeder Tag, jede Nacht ist wie ein schöner Traum. Ich bin wie ausgewechselt“, beschreibt er den Rausch der Gefühle, der ihn damals erfasste.
Doch was für ihn wie ein neuer Frühling wirkte, wurde für seine Lebensgefährtin Donnice Pierce zum Beginn eines Albtraums. Der Seitensprung blieb nicht ohne Folgen. Als Carpendale seiner Frau – mit der er heute glücklich verheiratet ist – den Fehltritt gestand, brach für sie eine Welt zusammen. Die Verletzung saß tief, tiefer als Howard es wohl in jenem Moment ahnen konnte.
Der Absturz: Donnices Kampf gegen die Dämonen
Die Enthüllung der Affäre wirkte wie ein Brandbeschleuniger für ein Problem, das Donnice Pierce schon seit ihrer Jugend begleitete: der Alkohol. Carpendale schildert in seinem Buch mit brutaler Ehrlichkeit, wie seine Frau unter der Last des Verrats und ihrer eigenen Sucht fast zerbrach. Es sind Szenen, die beim Lesen wehtun. Er beschreibt, wie Donnice die Kontrolle verlor, wie sie verschwand, lallend fremde Menschen ansprach und in einem Strudel aus Verzweiflung und Alkohol versank.
„Donnice trinkt, verschwindet, kommt nicht nach Hause“, erinnert sich Carpendale. Die Frau, die er liebte, entglitt ihm. Die Zerreißprobe für die Beziehung war enorm. Während Donnice ihren „stillen, einsamen Kampf“ gegen die Dämonen führte, flüchtete sich Howard zeitweise in Ablenkung. „Ich spiele Golf“, schreibt er – ein Satz, der wie ein Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit klingt. Er wollte, dass alles wieder normal ist, doch die Realität war grausam. Mehrere Entzugsversuche scheiterten. Die Hoffnung, die nach jeder Klinikbehandlung aufkeimte, wurde oft schon kurz darauf wieder im Alkohol ertränkt.
Doch Howard Carpendale gab nicht auf. Trotz der Krise, trotz der eigenen Schuldgefühle wegen der Affäre, hielt er an seiner Liebe fest. „Ich liebe Donnice und ich möchte den wunderbaren Menschen nicht verlieren, der sie ist, wenn sie nicht trinkt“, schreibt er. Er sah immer noch die Frau, die über dieselben Dinge lachte wie er, die ihn ohne Worte verstand. Dieser unerschütterliche Glaube an ihre gemeinsame Zukunft sollte sich schließlich auszahlen.

Das Licht am Ende des Tunnels
Heute, im Jahr 2025, wirkt diese dunkle Zeit wie ein böses Kapitel aus einem vergangenen Leben. Donnice ist seit sechs Jahren trocken. Der Kampf hat sich gelohnt. Die Ehe, die 2018 offiziell besiegelt wurde, ist stabil und von einer tiefen, reifen Nähe geprägt. Carpendale beschreibt Momente des stillen Glücks, die mehr wert sind als jeder Applaus auf der Bühne: „Ich kann stundenlang neben ihr sitzen, ohne dass sie etwas sagen muss. Ich greife einfach nach ihrer Hand und bin froh.“
Es ist ein Happy End, das man sich in keinem Drehbuch schöner hätte ausdenken können, gerade weil es so hart erkämpft wurde. Die Offenheit, mit der Carpendale über diese Krise spricht, ist nicht nur mutig, sie ist auch ein Liebesbeweis. Sie zeigt, dass wahre Liebe nicht bedeutet, dass man keine Fehler macht, sondern dass man gemeinsam durch das Feuer geht und gestärkt daraus hervorgeht.
Ein Schatten aus der Kindheit: Das Missbrauchs-Trauma
Doch die Beichte über den Ehebruch und die Alkoholsucht sind nicht die einzigen Schocks, die Howard Carpendale in „Unerwartet“ bereithält. In einem besonders schmerzhaften Kapitel blickt der 79-Jährige weit zurück in seine Kindheit im südafrikanischen Durban. Er war zehn Jahre alt, ein unschuldiger Junge, als das Unfassbare geschah.
Ein Bekannter seines Vaters, ein Matrose, erschlich sich das Vertrauen der Familie. Unter dem Vorwand, mit dem kleinen Howard ins Kino zu gehen, nahm er den Jungen mit. Doch statt ins Kino führte der Weg in einen Park, auf eine einsame Bank. Was dort geschah, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Carpendale beschreibt die Situation detailliert: „Mit seiner riesigen Hand greift er nach meinem linken Knie. Er tätschelt es. Und lacht, ein heiseres Lachen. Seine Hand streift mein Bein hinauf, immer höher.“
Der junge Howard war wie gelähmt vor Angst. „Ich erstarre“, erinnert er sich. Der Mann hätte alles mit ihm tun können, sogar ihn töten, so die späte Realisierung des Sängers. Es waren Momente des absoluten Horrors, die sich tief in die Seele des Kindes einbrannten. Insgesamt dreimal nahm der Mann ihn mit in den Park, bevor er verschwand.
Noch tragischer als die Tat selbst wirkt die Reaktion – oder besser gesagt, die Nicht-Reaktion – der Eltern. Als Howard endlich den Mut fand, sich ihnen anzuvertrauen, herrschte Schweigen. „Ich möchte ihnen keinen Vorwurf machen, zumal sie längst tot sind“, schreibt Carpendale versöhnlich, aber der Schmerz ist zwischen den Zeilen spürbar. Die Generation seiner Eltern wusste oft nicht, wie sie mit solchen Themen umgehen sollte, und so blieb das Trauma lange Zeit unbearbeitet.

Ein Vermächtnis der Ehrlichkeit
Warum erzählt Howard Carpendale das alles jetzt? Warum zerstört er das Bild des perfekten Strahlemanns? Vielleicht, weil er mit fast 80 Jahren an einem Punkt angekommen ist, an dem die Wahrheit wichtiger ist als der Schein. „Unerwartet“ ist mehr als eine Biografie; es ist eine Befreiung. Carpendale zeigt, dass auch ein Leben im Rampenlicht nicht vor menschlichen Tragödien schützt. Er macht sich verletzlich, und genau das macht ihn menschlicher und nahbarer als je zuvor.
Seine Geschichte ist eine Mahnung, aber auch eine Botschaft der Hoffnung. Sie zeigt, dass man Krisen überwinden kann, dass Vergebung möglich ist und dass es nie zu spät ist, sich seinen Dämonen zu stellen – sei es die Sucht, die Schuld oder ein altes Trauma. Howard Carpendale hat sein Leben “unerwartet” offengelegt, und seine Fans werden ihn dafür nicht weniger, sondern vielleicht sogar noch mehr lieben.