Alice Weidel konfrontiert ZDF-Journalistin live: Brandrede zur Ukraine-Politik und Deutschlands Rolle im Konflikt

In einem aufsehenerregenden Live-Interview hat Alice Weidel, Spitzenpolitikerin der Alternative für Deutschland (AfD), eine ZDF-Journalistin scharf für deren Darstellungen der deutschen Außenpolitik und insbesondere der Haltung Deutschlands im Ukraine-Konflikt kritisiert. Weidel nutzte die Plattform, um ihre Sicht auf die internationalen Beziehungen und die potenziellen Gefahren einer weiteren Eskalation darzulegen. Ihre provokanten Aussagen und die direkte Konfrontation mit der Moderatorin haben eine hitzige Debatte ausgelöst und werfen ein Schlaglicht auf die tiefen Gräben innerhalb der deutschen politischen Landschaft. Die Sendung, die am 12. Oktober 2025 ausgestrahlt wurde, entwickelte sich schnell zu einem viralen Phänomen und wird seither in sozialen Medien intensiv diskutiert.

Die Ukraine-Politik im Kreuzfeuer: Wer entscheidet wirklich?

Der Kern der Diskussion drehte sich um die Frage nach Krieg und Frieden und der Rolle Deutschlands in der Außenpolitik. Auf die Frage der Journalistin, ob Weidel wie Björn Höcke als Kanzlerin zuerst nach Moskau reisen würde, um Frieden zu stiften, antwortete Weidel unmissverständlich, dass ihre ersten Reisen nach Washington und Moskau führen würden. Sie betonte, dass die Entscheidungen über Frieden in der Ukraine letztlich in Washington und Moskau getroffen würden, und dass eine Einigung nur unter Einbeziehung beider Mächte möglich sei. Diese Aussage steht im krassen Gegensatz zur offiziellen deutschen Position, die die Ukraine als eigenständigen Akteur im Konflikt darstellt und die Souveränität des Landes betont. Weidel hingegen argumentierte, dass die Ukraine “weitestgehend die Entscheidung aus der Hand gelegt” bekommen habe und die Bevölkerung “endlich einen Frieden haben will”. Sie forderte ein schnelles Ende des “sinnlosen Sterbens” und eine Abkehr von der “Eskalationsspirale”.

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Taurus-Raketen: Die rote Linie und die Gefahr der Kriegsbeteiligung

Ein besonders kontroverser Punkt war die Diskussion um die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. Weidel warnte eindringlich davor, dass eine solche Lieferung Deutschland direkt zur Kriegspartei machen würde und einer “unmittelbaren Gefahr” aussetzen könnte. Sie zitierte Friedrich Merz (CDU) und seine Befürwortung der Taurus-Lieferung, die laut Weidel eine “rote Linie für Putin” darstellen würde, da die Raketen Moskau erreichen könnten. Weidel behauptete, dass Taurus-Raketen nicht von ukrainischen Soldaten bedient werden könnten, sondern deutsches Personal erfordern würden. Dies würde eine Stationierung deutscher Soldaten in der Ukraine bedeuten, was die Kriegsgefahr für Deutschland und ganz Europa “absolut drastisch erhöhen” würde. Die Journalistin widersprach dieser Darstellung und verwies auf die Möglichkeit, ukrainische Soldaten an diesen Systemen zu trainieren. Weidel beharrte jedoch auf ihrer Position und warf der CDU “unseriöse Außenpolitik” vor. Diese heftige Auseinandersetzung verdeutlicht die unterschiedlichen Interpretationen der militärischen und politischen Implikationen einer Taurus-Lieferung. Während die Bundesregierung und weite Teile der Opposition die Lieferung als notwendigen Schritt zur Unterstützung der Ukraine sehen, warnt die AfD vor einer direkten Verwicklung Deutschlands in den Konflikt.

Deutschlands internationale Isolation und der Einfluss Donald Trumps

Weidel kritisierte auch scharf die aktuelle deutsche Außenpolitik und die Rolle von Außenministerin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen). Sie behauptete, dass Deutschland weltweit “noch nie so unbeliebt” gewesen sei, insbesondere im Euroraum. Weder Franzosen, Polen, Ukrainer, Russen, Chinesen noch US-Amerikaner würden Deutschland noch mögen. Dies sei das Resultat einer “unseriösen Außenpolitik” von Baerbock, die “überhaupt gar keine Ahnung hat von Außenpolitik”. Diese pauschale Kritik an der Außenministerin und der gesamten Bundesregierung ist charakteristisch für die Rhetorik der AfD, die regelmäßig eine Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik fordert.

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Ein weiterer wichtiger Punkt war Weidels Betonung der Bedeutung der Vereinigten Staaten als Bündnispartner. Sie hob hervor, dass sie den Kontakt zu Washington suche und sich für Donald Trump eingesetzt habe, den sie für einen “wichtigen Partner für Deutschland” halte. Die “unsägliche Hetze” gegen Trump in den deutschen Mainstream-Medien sei kontraproduktiv gewesen, da die Vorgängerregierung die Beziehungen zu den USA “absolut verprassen” habe. Weidel sieht in einem möglichen Amtsantritt Trumps eine Chance für Deutschland, seine internationalen Beziehungen neu zu gestalten und die vermeintliche Isolation zu überwinden. Ihre Aussagen spiegeln die Hoffnung der AfD wider, unter einer Trump-Administration eine Annäherung an die USA zu erreichen und gleichzeitig eine kritischere Haltung gegenüber der Europäischen Union und anderen internationalen Organisationen einzunehmen.

Wehrpflicht und Dexit: Kontroverse Punkte im Parteiprogramm

Auch innenpolitische Themen wurden kurz angeschnitten. Die Journalistin fragte nach der Wehrpflicht, die im Parteiprogramm der AfD ursprünglich vorgesehen war, aber im Leitantrag für das Wahlprogramm nicht mehr enthalten ist. Weidel erklärte, dass der Leitantrag noch nicht abgestimmt sei und das Programm auf dem Bundesparteitag entschieden werde. Sie zeigte Verständnis für ihre Kollegen, die die Wehrpflicht herausgestrichen haben, da die Angst umgehe, dass “unschuldige deutsche Soldaten nach in die in die also nach Russland in die Ukraine geschickt würden”. Trotzdem werde sie dem Änderungsantrag zur Wiedereinführung der Wehrpflicht im Januar zustimmen, da die Bundeswehr “ertüchtigt werden” müsse. Diese differenzierte Haltung zeigt die internen Debatten innerhalb der AfD über sicherheitspolitische Fragen und die Schwierigkeit, eine einheitliche Linie zu finden, die sowohl den nationalen Verteidigungsbedürfnissen als auch den Befürchtungen vor einer Auslandseinsendung gerecht wird.

Zuletzt wurde Weidel mit der Forderung nach einem Dexit konfrontiert, dem Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union. Die Journalistin verwies auf Berechnungen der Bank Goldman Sachs, wonach der Brexit die Briten 5,6 % ihres Bruttoinlandsprodukts gekostet habe. Weidel entgegnete, dass es auf den “Zeitraum an” komme, der bei den Berechnungen berücksichtigt werde, konnte aber keine detaillierte Erklärung liefern, da das Gespräch abrupt beendet wurde. Diese kurze, aber prägnante Diskussion über den Dexit verdeutlicht die anhaltende Debatte über die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Austritts Deutschlands aus der EU. Während die AfD die Vorteile einer nationalen Souveränität betont, warnen Kritiker vor massiven wirtschaftlichen Einbußen.

Alice Weidel wollte einfach provozieren - die Pressestimmen zum Eklat |  STERN.de

Fazit: Eine polarisierende Debatte mit weitreichenden Folgen

Das Interview mit Alice Weidel war ein Paradebeispiel für die polarisierte politische Landschaft in Deutschland. Weidel nutzte die Gelegenheit, um ihre kontroversen Ansichten zur Außenpolitik, dem Ukraine-Konflikt und der Rolle Deutschlands auf der internationalen Bühne darzulegen. Ihre direkte und oft provokante Art führte zu einem hitzigen Schlagabtausch mit der Journalistin und zeigte einmal mehr die ideologischen Gräben, die die deutsche Gesellschaft durchziehen. Die Debatte um Taurus-Lieferungen, die internationale Isolation Deutschlands und die Zukunft der Wehrpflicht sind nur einige der Themen, die in diesem Interview angesprochen wurden und die weiterhin die politische Agenda bestimmen werden. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Auseinandersetzung auf die öffentliche Meinung und die anstehenden Wahlen haben wird. Eines ist jedoch sicher: Das Interview hat die Diskussion über Deutschlands Rolle in der Welt neu entfacht und wird noch lange nachwirken.

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