Mit 80 Jahren blickt Björn Ulvaeus, eine der treibenden Kräfte hinter dem unsterblichen Phänomen ABBA, auf ein Leben zurück, das die meisten nur aus der Ferne bewundern können. Seine Musik hat Generationen geprägt, seine Melodien sind zeitlos und sein Vermächtnis als Songwriter ist in den Annalen der Popgeschichte für immer verankert. Doch hinter dem Glanz der Pailletten, den ausverkauften Stadien und den schallenden Welthits verbarg sich eine Liebesgeschichte, die ebenso episch wie tragisch war: die seiner Ehe mit Bandkollegin Agnetha Fältskog. Jahrzehntelang nährten Spekulationen die Gerüchteküche, ob ihr berühmtester Trennungssong, „The Winner Takes It All“, tatsächlich die schmerzhafte Realität ihrer eigenen Scheidung widerspiegelte. War dieser Welthit, der so viele Tränen verursachte, ein musikalischer Offenbarungseid ihrer eigenen gescheiterten Liebe? Jahrelang hielt Björn Ulvaeus die Antworten für sich, doch nun, mit achtzig Jahren und dem Abstand eines erfüllten Lebens, bricht er sein Schweigen. Seine Geständnisse gewähren einen intimen Einblick in die Emotionen, die den Song prägten, den Preis der Liebe im Schatten des Ruhms und die tiefe menschliche Zerbrechlichkeit, die selbst die größten Stars nicht verschont.
Lange bevor die vier Schweden zu ABBA wurden, waren Björn Christian Ulvaeus und Agnetha Åse Fältskog zwei junge Talente aus einfachen Verhältnissen, die eine unstillbare Liebe zur Musik verband. Björn, geboren am 25. April 1945 in Göteborg, entdeckte schon früh seine Faszination für Volkslieder und amerikanischen Rock ‘n’ Roll. Als Teenager brachte er sich Gitarre bei und entwickelte ein außergewöhnliches Talent für das Songwriting. Mit seiner Band Hootenanny Singers feierte er erste Erfolge in Schweden und zeichnete sich durch eingängige, gefühlvolle Texte aus. Parallel dazu wuchs in der kleinen Industriestadt Jönköping ein weiterer Stern heran: Agnetha Fältskog, geboren am 5. April 1950. Ihre Kindheit war geprägt von Kreativität; ihr Vater schrieb Theaterstücke, ihre Mutter förderte ihr musikalisches Talent. Schon mit sechs Jahren komponierte Agnetha ihr erstes Lied und nahm Klavierunterricht. Ihre strahlende Stimme und ihre emotionale Ausdruckskraft machten sie schnell zu einer lokalen Berühmtheit. Mit nur 17 Jahren landete ihre Debütsingle „Jag var så kär“ einen Nummer-eins-Hit in Schweden. Sie etablierte sich nicht nur als Sängerin, sondern auch als Songwriterin – eine Seltenheit für junge Frauen in der damaligen Branche.

Das Schicksal führte Björn und Agnetha 1968 zusammen. In der kleinen, aber florierenden schwedischen Musikszene trafen ihre Welten bei den Aufnahmen zu einem Fernsehspecial aufeinander. Für Björn war Agnetha mehr als nur eine talentierte Sängerin; ihre Stimme strahlte, und ihre Präsenz konnte das Publikum zu Tränen rühren. Agnetha wiederum bewunderte Björns musikalische Intelligenz, seinen Witz und seinen ehrgeizigen Geist. Was als professionelle Wertschätzung begann, entwickelte sich schnell zu einer tiefen persönlichen Verbindung. Innerhalb weniger Monate waren sie unzertrennlich. Im Juli 1971 heirateten Björn und Agnetha in einer romantischen Zeremonie in Südschweden und wurden 1973 Eltern ihrer Tochter Linda. Ihr Bild als Märchenpaar wurde gefestigt, und ihre Liebesgeschichte spiegelte sich bald auch in ihrer Musik wider.
Mit Benny Andersson und seiner Partnerin Anni-Frid Lyngstad gründeten Björn und Agnetha 1972 die Gruppe, die bald als ABBA die Welt erobern sollte. Die Chemie zwischen den vier war sowohl auf als auch abseits der Bühne spürbar. Besonders die Authentizität der Verbindung zwischen Björn und Agnetha berührte das Publikum. Wenn Agnetha die von Björn geschriebenen Texte sang – Lieder voller Sehnsucht, Freude und Leidenschaft – wirkten diese intensiver, denn sie waren nicht nur Worte, sondern das Echo einer echten Beziehung. Der Durchbruch kam mit „Waterloo“ beim Eurovision Song Contest 1974. ABBA eroberte die Welt, und Björn und Agnetha wurden als „Schwedens goldenes Paar“ gefeiert. Ihre Fotos schmückten Wände in ganz Europa. Auf der Bühne spiegelte Agnetas Stimme, rein und verletzlich, ihre Beziehung zu Björn wider. Songs wie „SOS“ und „Dancing Queen“ transportierten die Ausgelassenheit junger Liebe. In diesen goldenen Jahren verkörperten Björn und Agnetha den Traum: Sie waren Bandkollegen, Liebende, Eltern und Kollaborateure, deren Chemie ABBA in stratosphärische Höhen katapultierte. Für ihre Fans symbolisierte ihre Ehe das Herz der Band, den Beweis, dass Liebe die Kunst beflügeln und Musik die Essenz einer Beziehung einfangen kann.
Doch hinter der glitzernden Fassade des internationalen Ruhms bröckelte ihre Ehe. Trotz ihrer tiefen Liebe waren Agnetha und Björn sehr unterschiedliche Menschen, und ihre Persönlichkeiten gerieten zunehmend aneinander. Agnetha war von Natur aus emotional und sensibel, sehnte sich nach Nähe, Geborgenheit und Bestätigung. Björn hingegen war praktisch veranlagt, ehrgeizig und manchmal kontrollsüchtig, mit einem ausgeprägten Sinn für Struktur. Die Spannungen, die sich aus diesen Gegensätzen ergaben, wurden durch den unerbittlichen Tourneeplan und den immensen Ruhm noch verstärkt. ABBA war eine der größten Bands der Welt, und das Leben von Björn und Agnetha war von endlosen Proben, Interviews und Reisen bestimmt. Es gab kaum Raum für Privatsphäre, geschweige denn für die Erziehung einer jungen Familie.
Agnetha, die ohnehin zu Angstzuständen neigte, tat sich schwer mit der Trennung von ihren Kindern Linda und Christian. Sie litt unter Nachtangst und Panikattacken und fühlte sich gefangen zwischen ihren Pflichten als Mutter und ihren Verpflichtungen als Star. Ihre Sehnsucht nach mehr Aufmerksamkeit von Björn stieß auf dessen zunehmende Vertiefung in die Arbeit und seine emotionale Distanzierung. Für Björn, der Unabhängigkeit und Kontrolle schätzte, konnte Agnetas Bedürfnis nach ständiger Nähe erdrückend wirken. Er reagierte oft genervt und ging sogar so weit, sie vor ihren Bandkollegen als „krank“ zu bezeichnen – ein Akt, den er später zutiefst bereuen sollte. Er konnte nicht verstehen, dass ihr Bedürfnis, ihn in ihrer Nähe zu behalten, aus Liebe und Angst entstand, nicht aus Kontrollsucht. Keiner von beiden konnte die Kluft überbrücken, und ihre Versuche endeten oft in Missverständnissen.
Der Ruhm vertiefte die Wunde nur noch. Auf der Bühne spielten sie makellos die Rolle des goldenen Paares, doch hinter der Bühne zerbrach ihre Beziehung unter der Last der Erwartungen. Streit und Schweigen ersetzten die Zuneigung. Agnetha gab später zu, wie schmerzhaft es war, ihre Kinder zurückzulassen, während ABBA um die Welt tourte. Björn schien seine Rollen als Vater, Ehemann und Künstler besser zu ordnen, doch das Ungleichgewicht ihrer Bedürfnisse – ihr Verlangen nach Geborgenheit und Stabilität gegenüber seinem Drang nach Kontrolle und Produktivität – wurde immer deutlicher. Freunde und Kollegen bemerkten eine Veränderung in ihrer Dynamik, eine gewisse Kühle, die vorher nicht da gewesen war. Ende der 1970er Jahre waren die Risse unter der Oberfläche nicht mehr zu übersehen. Was einst ABBAs größte Stärke gewesen war, die Authentizität der Verbindung zwischen Björn und Agnetha, löste sich nun in Echtzeit auf. Und die Musik sollte bald die Narben dieses Herzschmerzes tragen.
Anfang 1979 gaben Björn und Agnetha ihre Trennung bekannt, was Schockwellen bei den Fans auslöste. Ein Jahr später war die Scheidung rechtskräftig. ABBA machte weiter, doch das Herz der Band war in zwei gebrochen. Für Björn war die Trennung verheerend. Als Mann der Ordnung und Disziplin wandte er sich dem Ventil zu, das er am besten kannte: dem Songwriting. In schlaflosen Nächten, begleitet von Whiskey und Grübeleien, setzte sich Björn eines Abends hin und brachte innerhalb einer Stunde seinen Kummer zu Papier. Das Ergebnis war „The Winner Takes It All“, ein Song, der den rohen, ungefilterten Schmerz verlorener Liebe einfing.
Was das Lied so außergewöhnlich machte, war nicht nur der schmerzhaft ehrliche Text, sondern auch die Entscheidung, wer es singen sollte. Björn übergab die Worte seines Herzschmerzes Agnetha, der Frau, von der er sich gerade getrennt hatte. Diese Entscheidung schockierte selbst die engsten Vertrauten der Band, war aber gleichzeitig ein Geniestreich. Agnetas kristallklare Stimme, untermalt von ihrer eigenen Trauer, verlieh dem Song eine Authentizität, die keine andere Sängerin hätte erreichen können. Die Aufnahme war emotional zermürbend; Agnetha gab später zu, dass es sich anfühlte, als durchlebte sie die Trennung noch einmal. Jede Note trug die Last ihrer eigenen Qual, selbst als sie Björns Worte aussprach. Für das Publikum klang es weniger wie eine Aufführung, sondern eher wie ein Geständnis. Viele Hörer nahmen an, das Lied sei im wahrsten Sinne des Wortes autobiografisch, und in vielerlei Hinsicht war es das auch.
Als „The Winner Takes It All“ 1980 erschien, wurde es schnell zu einem der bekanntesten ABBA-Hits. Seine mitreißende Melodie und der eindringliche Text trafen den Nerv von Millionen Menschen, die selbst Liebeskummer erlebt hatten. Doch für Björn und Agnetha war es mehr als nur ein öffentliches Denkmal für das Scheitern ihrer Ehe, verewigt in vier Minuten Musik. Auf dem Höhepunkt ihrer persönlichen Verzweiflung hatten ABBA eines ihrer beständigsten Meisterwerke geschaffen. Auf der Bühne sang Agnetha die Zeilen: „Sag mir, küsst sie so, wie ich dich früher geküsst habe?“ Björn stand nur wenige Meter entfernt, und die Spannung war greifbar. Die Fans waren gebannt, hin- und hergerissen zwischen der Schönheit des Liedes und der Tragödie, die es auslöste. Dachte Agnetha an Lena Källersjö, die Frau, mit der Björn zusammen war und die er bald heiraten würde? Sah sie sich in diesem Szenario als Verliererin? Oder projizierten die Fans nur Gerüchte auf sie? Die Antworten blieben lange Zeit unklar.
„The Winner Takes It All“ wurde mehr als nur ein Hit; es wurde zum Symbol für die Zerbrechlichkeit der Liebe, für die verborgenen Kosten des Ruhms und dafür, wie Musik privaten Schmerz in universelle Kunst verwandeln kann. Für Björn und Agnetha war es ein Schlag ins Gesicht und eine Bombe zugleich, eine eindringliche Erinnerung an die gescheiterte Ehe und das Erbe, dem sie nie entkommen konnten.
Nach der Trennung des Märchenpaares von ABBA hätten ihre weiteren Wege nicht unterschiedlicher sein können. Für Björn Ulvaeus verliefen die Jahre nach der Scheidung relativ stabil. Nur ein Jahr nach der Trennung, 1981, heiratete er erneut. Seine zweite Frau, die Musikjournalistin Lena Källersjö, brachte ein Gefühl der Ruhe und Erdung in sein Leben, das einen Kontrast zu den Turbulenzen seiner ersten Ehe bildete. Gemeinsam gründeten sie eine Familie, zogen zwei Töchter groß und blieben über vier Jahrzehnte lang Partner, bis sie sich 2022 in aller Stille trennten. In all diesen Jahren erlosch Björns kreativer Funke nie. Er schrieb weiterhin Songs, oft mit Benny Andersson, und wirkte an Musicals wie „Chess“ und dem späteren Weltphänomen „Mamma Mia!“ mit. Obwohl die Ehe mit Agnetha herzzerreißend endete, schien Björn geistig gesund weiterzumachen, seine Energie in die Arbeit zu stecken und ein stabiles Privatleben zu pflegen.
Für Agnetha Fältskog erwies sich das Leben nach Björn als weitaus komplizierter. Die Jahre nach der Scheidung waren geprägt von Verlust, Verletzlichkeit und Rückzug. Zunächst verfolgte sie eine Solokarriere und nahm Alben auf, die ihre engelsgleiche Stimme jenseits des ABBA-Sounds präsentierten. Doch der Ruhm lastete nie bequem auf ihren Schultern. Die unerbittliche Beobachtung durch die Öffentlichkeit und der Druck, ihre Kinder größtenteils allein großziehen zu müssen, belasteten sie schwer. In den 1990er Jahren erlitt sie tragische Schicksalsschläge, als sie innerhalb kurzer Zeit beide Eltern verlor, was ihr Gefühl der Isolation noch verstärkte. Ihr Privatleben war oft stürmisch; Beziehungen, die Glück versprachen, endeten manchmal in Enttäuschung oder Skandalen. Eine besonders problematische Liaison endete damit, dass ein Mann sie angeblich verfolgte, was die Boulevardpresse zu Geschichten über eine Frau nährte, die zwischen Ruhm und Verletzlichkeit gefangen war. Es folgten Angstzustände und Phasen der Zurückgezogenheit, die dazu führten, dass die Medien sie als „Garbo des Pop“ brandmarkten – einen Star wider Willen, der sich lange Zeit aus dem Rampenlicht zurückzog.
Fans, die diese beiden unterschiedlichen Leben betrachten, verfallen oft in ein bekanntes Narrativ: Björn als Gewinner, der zu Stabilität und Erfolg gelangt, und Agnetha als Verliererin, die mit der Last vergangener Erfolge und persönlichem Schmerz kämpft. Doch diese Darstellung vereinfacht die Wahrheit zu sehr. Agnetha hat trotz ihrer Strapazen auch Widerstandskraft bewiesen. Ihre seltenen Rückkehren zur Musik, wie das von der Kritik gefeierte Soloalbum „My Colouring Book“ aus dem Jahr 2004 und ihre spätere Wiedervereinigung mit ABBA für das „Voyage“-Projekt, zeigten eine Künstlerin, deren Talent und Geist noch immer kraftvoll nachhallen. Dennoch bleibt der Kontrast auffällig. Björn wurde zur Verkörperung von Ordnung, Kontrolle und Langlebigkeit, ein Mann, der nach Liebeskummer wieder zu sich selbst fand. Agnetas Weg hingegen spiegelte die emotionale Zerbrechlichkeit wider, die ihre Fans immer in ihrer Stimme wahrgenommen hatten: sensibel, zutiefst menschlich, manchmal gebrochen, aber immer in der Lage, andere zu bewegen. Gemeinsam bekräftigen ihre Leben nach der Scheidung den Mythos vom Gewinner, der alles bekommt. Die vielleicht kompliziertere Wahrheit ist, dass beide Narben davon trugen, aber jeder wählte einen anderen Weg, damit zu leben.
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Als Björn Ulvaeus seinen 80. Geburtstag feierte, schien dieser Meilenstein eine neue Art der Offenheit zu eröffnen. Jahrzehntelang hatte er die Kunst des höflichen Ablenkens gemeistert, wenn es um die Frage ging, ob „The Winner Takes It All“ tatsächlich von seiner Scheidung von Agnetha handelte. Kritiker, Journalisten und Fans stellten ihm immer wieder die gleiche Frage. Immer wieder betonte er, es sei keine Autobiografie, sondern lediglich eine in Liedform verfasste Geschichte. Doch die Welt glaubte ihm nie so recht; der Schmerz war zu stark, die Details zu konkret und Agnetas Ausdrucksweise zu grob, als dass die Erzählung erfunden wirken konnte.
Jetzt, mit zunehmendem Alter und mehr Abstand, gibt Björn zu, was einst unmöglich zu sagen schien. In aktuellen Interviews bestätigte er, dass das Lied aus seinem eigenen Herzschmerz entstand und spät in der Nacht in einem Anflug von Emotionen geschrieben wurde. Er erinnert sich, wie er mit einem Glas Whiskey dasaß und Worte und Melodien in einem einzigen „Saufgelage“ aus ihm heraussprudelten. „Natürlich ging es um uns“, gibt er schließlich zu, „sonst hätte ich es nicht schreiben können.“ Dieses Eingeständnis ist nicht nur wegen seiner Ehrlichkeit bemerkenswert, sondern auch wegen der langen Zeit, die es brauchte, bis es ankam. Seine Offenheit mit 80 Jahren spiegelt mehr als die Wahrheit eines Songwriters wider; sie offenbart einen Mann, der sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
Björn hat von Bedauern gesprochen, nicht im Sinne von dem Wunsch, seine Ehe hätte überlebt, sondern im Bewusstsein der emotionalen Belastung, die sie für Agnetha und ihre Kinder bedeutete. Er gibt zu, dass sein Bedürfnis nach Ordnung und Kontrolle oft wenig Raum für Agnetas Ängste, ihre Sehnsucht nach Bestätigung oder ihren Kampf mit den unerbittlichen Anforderungen des Ruhms ließ. Rückblickend erkennt er, wie die unbeständige Kombination aus weltweitem Ruhm und privater Zerbrechlichkeit jeden Makel in ihrer Beziehung vergrößerte. Auf die Frage nach dem Mal, als er sie „krank“ nannte, antwortete er: „Es war falsch von mir, sie vor den anderen so anzugreifen.“ Aber sie sei „krank“ gewesen. „Jeden Tag, den sie von den Kindern getrennt war, hatte sie Albträume. Sie ließ all ihre Angst und Frustration auf mich los, und ich empfand diese Gefühle nur als erdrückend und kontrollierend, nicht als einen Hilferuf.“ Doch seine Erinnerungen sind nicht bitter; vielmehr schwingt eine stille Zärtlichkeit mit, wenn er von diesen Jahren spricht.
Björn beschreibt die Zeit mit Agnetha als außergewöhnlich, eine Partnerschaft, die nicht nur sein Leben, sondern auch eine ganze Ära der Musik prägte. Er führt ihre Beziehung, sowohl ihre Freuden als auch ihre Zerrüttung, darauf zurück, dass ABBAs Songs eine Tiefe verliehen wurde, die weit über die Tanzfläche hinaus nachhallte. Ohne ihre Liebesgeschichte, meint er, hätte die Band vielleicht nie die emotionale Authentizität erreicht, die ihre Musik zeitlos machte. Sein Eingeständnis ist mehr als ein persönliches Bekenntnis; es ist ein Geschenk an die Fans, die die Geschichte seit Jahrzehnten verfolgen. Indem Björn endlich die Wahrheit hinter „The Winner Takes It All“ anerkennt, bietet er sich selbst, Agnetha und den Millionen, die in diesem Lied ihren eigenen Herzschmerz gehört haben, einen Abschluss. Was als private Qual begann, ist mit der Zeit zu einer universellen Hymne geworden, und jetzt, mit zunehmendem Alter und mit Ehrlichkeit, akzeptiert der Mann, der es geschrieben hat, dass die Kunst und das Leben dahinter immer untrennbar miteinander verbunden waren.
Der Verdacht der Fans ist nun bestätigt: Mehr als vier Jahrzehnte lang haben sie darüber diskutiert, ob „The Winner Takes It All“ wirklich die in Musik gefasste Geschichte von Björn und Agnetha ist. Der Text war zu roh, Agnetas Darbietung zu durchdringend emotional, als dass es sich um bloße Fiktion handeln könnte. Obwohl Björn jahrelang darauf beharrte, dass das Lied nicht autobiografisch sei, glaubte ihm das Publikum nie ganz. Jetzt, mit 80, bestätigt sein Eingeständnis, was viele schon lange vermutet hatten: Das Lied entstand tatsächlich aus der Asche ihrer Ehe, und die Narben dieser Trennung verschwanden nie ganz. Agnetas Vortrag war schon immer ein verräterisches Zeichen: Vor Millionen von Menschen legte sie ihren eigenen Kummer in das Lied; jede Zeile klang wie ein Geständnis. Ihre Fans sahen darin eine offene Wunde, getarnt als Popmusik, einen Moment, in dem privater Liebeskummer zu öffentlicher Kunst wurde. Björns Bestätigung Jahrzehnte später vertieft diese Interpretation nur noch und macht das Lied zu einer Art Zeitkapsel ihres schmerzhaftesten Kapitels. Seine Offenheit ist heute nicht nur für die Geschichte von ABBA wichtig, sondern auch für diejenigen, die sie liebten. Indem Björn die Wahrheit anerkennt, bietet er eine Art Abschluss für sich selbst, für Agnetha und für die Fans, die so viel in ihre Geschichte investiert haben. Es bereichert das Erbe von ABBA und erinnert uns daran, dass die Kraft ihrer Musik nicht nur auf eingängigen Melodien beruhte, sondern auf gelebtem Leben. Endlich ist das Rätsel gelöst.