Macher, Millionär, Macher: Der Tag im Hochsicherheitstrakt des Kanzlers Friedrich Merz

Macher, Millionär, Macher: Der Tag im Hochsicherheitstrakt des Kanzlers Friedrich Merz

Hinter der Panzerglas-Fassade: Ein Blick in den hochsensiblen Alltag von Bundeskanzler Merz

Friedrich Merz, der aktuelle Bundeskanzler Deutschlands, ist eine Figur, die in der Öffentlichkeit wie kaum eine andere polarisiert. Er führt das Land mit einer Mischung aus Pragmatismus und wirtschaftlicher Strenge, doch während ein Teil der Bevölkerung seine Haltung befürwortet, zeigen aktuelle Umfragen, dass rund zwei Drittel der Bürger mit seiner Arbeit als Regierungschef aktuell unzufrieden sind. Merz ist damit der mächtigste, aber auch der umstrittenste Politiker des Landes.

Doch abseits der politischen Frontlinien und hitzigen Debatten um Haushaltsdisziplin und gesellschaftliche Weichenstellungen verbirgt sich ein Alltag, der so aufregend wie unzugänglich ist. Es ist ein Leben in einer ständigen Sicherheitsblase, zwischen gepanzerten Limousinen, acht Zentimeter dickem Panzerglas und einem minutiös geplanten Terminkalender, der nur noch wenig Raum für Spontaneität lässt. Es ist der Alltag eines Multimillionärs und passionierten Hobbypiloten, der am liebsten selbst am Steuer sitzt, aber aus Sicherheitsgründen zum permanenten Passagier degradiert wurde.

Dieses Porträt beleuchtet den Menschen hinter dem Amt, dessen Leben von einem frühen Schicksalsschlag und der unerschütterlichen Liebe zur sauerländischen Heimat geprägt ist. Willkommen zu einem Tag im Leben von Friedrich Merz – einem Mann, der im Zentrum der Macht versucht, seine private Identität zu bewahren.


Der Frühaufsteher mit der disziplinierten Macke

Ein typischer Arbeitstag von Friedrich Merz beginnt ungewöhnlich früh, noch bevor der Tag in Berlin so richtig erwacht. Merz ist nach eigenen Angaben ein ausgeprägter Frühaufsteher und ist bereits vor sechs Uhr morgens auf den Beinen.

Seinen Tag beginnt er in seiner privaten Dienstwohnung am Potsdamer Platz in Berlin. Dies ist ein bewusster Schritt, den Merz ebenso wie seine Vorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel gewählt hat: Er verzichtet auf den Umzug in die Dienstwohnung im Kanzleramtsgebäude, um seine Familie möglichst vom Amt abzuschirmen und deren Privatsphäre zu schützen.

Der Start in den Tag wird von einer kleinen, aber bezeichnenden Marotte des Kanzlers begleitet: Ganz egal, ob er sich in seiner Wohnung in der Hauptstadt oder bei seiner Familie im Sauerland befindet, Friedrich Merz verlässt niemals das Haus, ohne sein Bett gemacht zu haben. Eine kleine Anekdote, die seine tief verwurzelte Disziplin, seine Liebe zur Ordnung und eine fast preußisch anmutende Arbeitsmoral offenbart.

Unmittelbar darauf folgt ein weiterer wichtiger Akt der Außenwirkung: die Wahl der Kleidung. Merz achtet extrem auf seine Erscheinung, insbesondere auf die Wahl seiner Anzüge und Krawatten. Tatsächlich versucht Merz, für jeden Termin die farblich und thematisch passende Krawatte zu finden. Sein Stil ist so ausgeprägt, dass er von einem amerikanischen Mode-Influencer, Derek Guy, als der „bestgekleidete deutsche Politiker“ bezeichnet wurde. Die Außenwirkung ist für ihn ein Instrument der politischen Kommunikation.

Nach dem Anziehen und einem morgendlichen Kaffee begibt er sich ins Kanzleramt. Doch dieser Weg ist alles andere als gewöhnlich.


Die Hochsicherheitszone: Von 8 cm Panzerglas bis zum BKA-Schutz

Der Weg ins Büro des Kanzlers ist ein streng abgeschirmter Akt. Merz fährt nicht selbst. Er wird in einer eigens für ihn angefertigten, gepanzerten Dienstlimousine chauffiert, da er aus Sicherheitsgründen nicht selbst fahren darf. Für einen passionierten Hobbypiloten, der nach eigenen Aussagen am liebsten bei allen Gefährten selbst am Steuer sitzt, dürfte diese erzwungene Passivität schwer zu ertragen sein.

Er gehört zu den bestgeschützten Personen Deutschlands und wird rund um die Uhr von einer Spezialeinheit des BKA, dem deutschen Äquivalent des Secret Service, bewacht. Über 500 speziell ausgebildete Bodyguards kümmern sich darum, dass dem Kanzler nichts passiert.

Im Kanzleramt betritt Merz sein Büro im siebten Stock. Von dort aus genießt er einen Überblick über das Regierungsviertel, doch dieser Blick ist durch Fenster aus acht Zentimeter dickem Panzerglas geschützt. Die Sicherheit ist allgegenwärtig.

Sein erster offizieller Akt im Büro ist die Sichtung der Kanzlermappe, die jeden Morgen pünktlich um 7 Uhr für ihn bereitliegt. Sie enthält alle relevanten Nachrichten und Tagesordnungspunkte. Kurz darauf trifft sich Merz in einer vertraulichen Morgenrunde mit seinem engsten Stab – Kanzleramtschef Thorsten Frei, Regierungssprecher Stefan Cornelius und Leiter Jakob Schrot. Hier werden Aufgaben delegiert, politische Entscheidungen besprochen und der minutiös durchgeplante Terminkalender für den Tag abgestimmt.

Der Kanzler wird täglich von einem Stab von 900 Fachleuten im Kanzleramt unterstützt. Diese Experten bereiten Reden, Akten und Hintergrundpapiere vor, die für die Entscheidungsfindung unerlässlich sind. Ein historisches Kuriosum am Rande: Wichtige Originaldokumente werden innerhalb des Kanzleramts tatsächlich noch immer per Rohrpost zwischen den Mitarbeiterinnen hin- und hergeschickt.


Arbeitsessen, Regierungsflieger und die Macht der Kulinarik

Die Arbeitswoche des Kanzlers ist von unerbittlicher Dichte. Jeden Mittwochvormittag tagt beispielsweise das Bundeskabinett, um Gesetzesentwürfe und Initiativen zu beraten. Aber auch mittags gibt es keine Entspannung.

Die üblichen Arbeitsessen mit Ministern, Staatsgästen oder Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft dienen primär dem Beziehungsaufbau. In einem informelleren und persönlicheren Rahmen lassen sich Drähte knüpfen und Beziehungen zu anderen Staatschefs pflegen. Hierbei muss Merz keine Abstriche machen: Das Kanzleramt verfügt über eine hauseigene Gourmet-Küche, die von Spitzenkoch Markus Herbicht geleitet wird. Nach dem Essen mit internationalen Gästen geht es oft auf die Dachterrasse des Kanzleramts, bevor die Pressekonferenzen stattfinden.

Am Nachmittag finden oft Außentermine statt. Um schnell von A nach B zu gelangen, wird der Kanzler meistens mit speziellen Luftraumfreigaben per Hubschrauber transportiert.

Für Auslandsreisen, die in seinem ersten Halbjahr bereits über 20 verschiedene Länder umfassten, geht es über das Regierungsterminal am BER direkt in den Regierungsflieger der Luftwaffe – die „Konrad Adenauer“. Die umgebaute Airbus A321 ist luxuriös ausgestattet, bietet Konferenzbereiche und verfügt über zusätzliche Sicherheits- und Kommunikationssysteme – unter anderem ein Raketenabwehrsystem.

Für den Kanzler gibt es kein offizielles Arbeitszeitende. Oft endet der Arbeitstag erst spät, manchmal sogar nach Mitternacht.


Die emotionale Wunde: Der unabdingbare Anruf in die Heimat

Trotz des unerbittlichen Terminkalenders und der späten Stunden nimmt sich der Kanzler täglich Zeit für ein unumstößliches Ritual: Ein Anruf bei seiner Familie.

Dieser tägliche Anruf hat einen zutiefst emotionalen Hintergrund: Seine jüngste Schwester kam im Alter von 21 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Diese traumatische Erfahrung führte dazu, so bestätigte seine Ehefrau Charlotte, dass ihr Mann jeden Tag mindestens zweimal zu Hause anruft, um sicherzugehen, „ob alles okay ist“.

Dieses Detail beleuchtet die zutiefst menschliche und verletzliche Seite des Mannes an der Spitze der Regierung. Hinter dem stählernen Image und dem politischen Kalkül steht ein Mann, der durch einen frühen Verlust zutiefst geprägt wurde und der die ständige Versicherung benötigt, dass seine Liebsten in Sicherheit sind.


Zwischen Jetset und Dorfgaststätte: Die Hobbys des Sauerländers

Wenn Friedrich Merz doch einmal freie Zeit findet, ist er, laut Freunden, privat nahbarer und bodenständiger. Merz verbringt jede freie Minute in seiner Heimat, dem Hochsauerland (Brilon und Arnsberg). „Das Hochsauerland ist meine Heimat. Hier bin ich groß geworden, hier bin ich zu Hause,“ so Merz, dessen Herz aufgehe, wenn er am Wochenende mit dem Fahrrad unterwegs sei. Hier kauft er ein, holt morgens die Zeitung und Brötchen beim Bäcker und kehrt am Abend am liebsten in einer der zahlreichen Dorfgaststätten ein.

Sein wohl aufsehenerregendstes Hobby ist das Fliegen. Merz ist Hobby-Pilot und nutzte vor seiner Kanzlerschaft eines seiner eigenen Flugzeuge, eine Diamond DA62 im Wert von 900.000 €, um nach Berlin zu pendeln. Doch als Kanzler ist das Selbstfliegen aus Sicherheitsgründen passé.

Seine bodenständigeren Hobbys teilt er mit seiner Frau Charlotte: Radfahren, Mountainbike-Touren und Wandern. Sie kochen gemeinsam und reden über das, was sie tagsüber erlebt haben – „wir reden bei weitem nicht nur Politik“.

Der Tag von Friedrich Merz ist somit ein fortwährender Kontrast: zwischen dem Hochsicherheitstrakt, wo über Milliarden entschieden wird, und der Dorfgaststätte, wo er den Tag ausklingen lässt; zwischen der kühlen Pragmatik des Politikers und der tiefen Sorge des Familienvaters, der jeden Tag zweimal wissen muss, ob alles in Ordnung ist. Er ist der Mann der Gegensätze, der im Zentrum der Macht versucht, Mensch zu bleiben.

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